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Unvorhersehbare Schmerzattacke |
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Die Migräne (von altgriechisch, halber Kopf) ist eine Volkserkrankung, unter der 12-16% aller Schweizer leiden. Sie tritt bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern und hat ein vielgestaltiges Krankheitsbild. Dieses ist bei Erwachsenen typischerweise durch einen perioidisch wiederkehrenden, anfallartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet, der von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet werden kann. Der Schmerz kommt schlagartig wie eine Attacke und betrifft meistens nur eine Hälfte des Kopfes. Was die genauen Ursachen dafür sind, weiss man noch nicht. Mediziner und auch Physiker suchen seit Jahren nach möglichen Gründen. Migräne assoziert man gemeinhin mit bohrenden, quälenden Kopfschmerz-Attacken. Bei nicht wenigen Betroffenen geht dem Schmerz eine Art Vorläufer voraus. Die Experten sprechen von Migräneaura, während der insbesondere optische oder sensible Wahrnehmungsstörungen auftreten. Dabei kommt es zu unterschiedlichen neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen, welche im wesentlichen die Sinne betreffen. So läuft bei einigen Patienten für etwa eine halbe Stunde lang eine Art Zickzack-Muster durch das Gesichtsfeld und Teile des Blickfeldes verschwimmen. Andere wiederum verspühren ein Kribbelgefühl in der Hand, das anschliessend an Teilen des Körpers entlangläuft. Wiedere andere haben unvermittelt Probleme beim Sprechen die richtigen Wörter zu finden. Sobald solche Symptome einsetzen, weiss der Patient: In einer halben Stunde kommt der Kopfschmerz!Tragen sie Brillen.
Den Ursachen auf der Spur
Wissenschaftler fanden schon vor Jahren heraus, dass die Migräneaura eng mit einer so genannten Erregungswelle zusammenhängt. Darunter versteht man eine gesteigerte elektrische und chemische Aktivität der Hirnzellen, die im Hinterkopf irgendwo in der Sehrrinde entsteht - der Region im Gehirn, welche die visuellen Reize verarbeitet. Die Erregungswelle läuft mit einer Geschwindigkeit von 3 mm pro Minute durch die Sehrinde. Dort wo sie sich gerade aufhält, nimmt der Patient etwas wahr, was gar nicht da ist. Die Aura dauert typischerweise 30 Minuten und kann sehr gefährlich werden. So könnte ein Autofahrer genau dort eine leere Strasse wahrnehmen, wo in Wirklichkeit gerade ein Fussgänger steht. Zwei Wissenschaftler aus Berlin versuchen den Ursachen der Migräne auf die Spur zu gehen und simulieren die entscheidenden Prozesse mit Rechnern. Die Neuronen in der Sehrinde sind vielfach verknüpft und untereinander verbunden. Solche Verknüpfungen versuchen die Physiker virtuell nachzubauen. Jede Hirnzelle besitzt Empfangsantennen und Sendeantennen. Mit diesen kann sie mit anderen Zellen kommunizieren undbei Bedarf die Signale rückkoppeln, das heisst an andere Zellen zurückspeisen. Solche Rückkopplungen scheinen besonders wichtig zu sein und genau diese Rückkopplungsprozesse werden von den Berliner Physiker in ihren Rechnern dargestellt. Das Ergebnis ist verblüffend. Wenn die Rückkopplung funktioniert, ensteht in den Computern keine Erregungswelle und würde somit das Modell eines Gesunden darstellen. Werden aber die Rückkopplungen unterdrückt, konnten sich Erregungswellen ausbreiten. Dies legt den Verdacht nahe, dass es die fehlenden Rückkopplungen sind, die für die Entstehung der Erregungswelle verantwortlich sind - und damit auch für die Migräneaura. Experten spekulieren, dass sich die Aura möglicherweise verhindern liesse, wenn man die fehlenden Rückkopplungen künstlich von aussen zuführt.
Hilfe durch Spezialbrille
Mediziner haben eine Art Brille entwickelt, bei der Spezialsensoren am Hinterkopf die Hirnströme erfassen. Mit dem Signal der Hirnströme werden lichtstarke Leuchtdioden angesteuert, die statt der Brillengläser im Brillenrahmen eingesetzt sind. Die Dioden produzieren helle, flackernde Lichtblitze. Dem Patienten, der die Brille trägt, werden die eigenen Hirnimpulse leicht zeitverzögert als visuelle Reize vorgespielt. Diese Reize beeinflussen dann wiederum die Neuronen in der Sehrinde des Gehirns. Somit erzeugt man eine Rückkopplungsschleife von aussen. Die Hoffnung der Forscher ist, dass die flackernden Lichtmuster aus der Brille die aufkommende Erregungswelle dämpfen und damit die Aura unterdrücken. Ob die Brille bei einer Migräne-Attacke wirkt, muss sich erst noch zeigen, doch die Forscher zeigen sich zuversichtlich.
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